Geburtsverletzungen im Bereich des Damms gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen einer vaginalen Geburt – etwa jede zweite Mutter ist davon betroffen. Für viele werdende Mütter ist das Thema dennoch mit Unsicherheit verbunden. Dieser Artikel erklärt, was ein Dammriss und ein Dammschnitt genau sind, welche Schweregrade es gibt und wie die Heilung optimal unterstützt werden kann.
Was ist der Damm und warum ist er bei der Geburt gefährdet?
Als Damm (Perineum) bezeichnet man den Gewebebereich zwischen den äußeren Geschlechtsorganen und dem After. Während der Austreibungsphase wird dieser Bereich durch den Druck des kindlichen Kopfes stark gedehnt. Ist das Gewebe wenig elastisch oder verläuft die Geburt sehr schnell, kann es zu einem Einriss kommen – dem sogenannten Dammriss.
Dammriss: Die vier Schweregrade
Je nach Ausdehnung des Risses wird zwischen vier Schweregraden unterschieden:
| Grad | Beschreibung |
|---|---|
| Grad 1 | Oberflächlicher Riss der Haut, betrifft meist nur die Schleimhaut |
| Grad 2 | Zusätzlich betroffen ist die darunterliegende Dammmuskulatur |
| Grad 3 | Der äußere Schließmuskel des Afters ist mitbetroffen |
| Grad 4 | Zusätzlich ist auch die Darmschleimhaut verletzt |
In den meisten Fällen handelt es sich um leichte Risse ersten oder zweiten Grades, die gut und meist folgenlos verheilen. Schwere Risse dritten oder vierten Grades sind deutlich seltener und erfordern eine sorgfältige chirurgische Versorgung.
Der Dammschnitt (Episiotomie)
Ein Dammschnitt ist ein gezielter chirurgischer Schnitt, der während der Pressphase durchgeführt wird, um den Geburtskanal zu erweitern. Früher wurde er nahezu routinemäßig bei jeder Geburt vorgenommen, heute erfolgt er ausschließlich bei medizinischer Notwendigkeit – etwa, um das Baby bei drohenden Komplikationen schneller zu entbinden, bei Beckenendlage oder um einen tieferen, unkontrollierten Dammriss zu vermeiden. In Deutschland liegt die Häufigkeit eines Dammschnitts Schätzungen zufolge zwischen 10 und 20 Prozent aller Geburten.
Heute gebräuchlich sind vor allem zwei Schnittvarianten:
- Medianer Dammschnitt: Verläuft entlang der Mittellinie des Damms in Richtung After.
- Mediolateraler Dammschnitt: Verläuft seitlich versetzt am After vorbei, um den Schließmuskel gezielt zu schonen.
Der früher übliche laterale Dammschnitt, bei dem seitlich versetzt im 45-Grad-Winkel geschnitten wurde, wird heute kaum noch angewendet, da dabei mehr Gewebe, Muskeln und Blutgefäße durchtrennt werden und die Heilung entsprechend langwieriger und schmerzhafter verläuft.
Wie wird die Wunde versorgt?
Sowohl ein Dammriss als auch ein Dammschnitt werden unmittelbar nach Abschluss der Geburt – also sobald auch die Plazenta geboren ist – von einem Arzt unter lokaler Betäubung genäht. Verwendet wird dafür selbstauflösendes Nahtmaterial, das sich im Verlauf der folgenden Wochen von selbst auflöst. Da die Fäden mitunter deutlich länger brauchen, als die Wunde zum oberflächlichen Verschließen benötigt – meist bereits nach fünf bis sieben Tagen –, können die überstehenden Fadenenden bei Bedarf von der Nachsorgehebamme einfach gekürzt werden.
Risikofaktoren für Geburtsverletzungen
Verschiedene Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Dammrisses:
- Eine sehr schnelle Geburt, bei der dem Gewebe wenig Zeit zur Dehnung bleibt
- Wenig dehnbares Bindegewebe
- Ein überdurchschnittlich großes Baby
- Der Einsatz geburtshilflicher Instrumente wie Saugglocke oder Zange
- Die Rückenlage während der Geburt, in der statistisch häufiger Dammschnitte und weitere Interventionen erfolgen
Als eher schützend gelten dagegen die Seitenlage, der Vierfüßlerstand sowie eine Wassergeburt.
Kann man Geburtsverletzungen vorbeugen?
Auf gezielte Dammmassagen zur Dehnung des Gewebes vor der Geburt wird heute weitgehend verzichtet, da ihr Effekt in Studien nur minimal ausfiel und sie von vielen Frauen als unangenehm empfunden wurde. Wirksamer sind stattdessen ein bewusstes Beckenbodentraining während der Schwangerschaft, eine an die individuelle Situation angepasste Geburtsposition sowie eine ruhige, kontrollierte Pressphase in Absprache mit der Hebamme.
Pflege und Heilung nach der Geburt
- Wundhygiene: Die betroffene Stelle sollte sauber und trocken gehalten werden, insbesondere nach jedem Toilettengang.
- Kühlung: In den ersten Tagen kann eine sanfte Kühlung Schwellungen und Schmerzen lindern.
- Sitzbäder: Warme Sitzbäder, etwa mit Calendula oder pflanzlichen Gerbstoffen, werden von vielen Hebammen zur Unterstützung der Wundheilung empfohlen.
- Weicher Stuhlgang: Da Druck beim Stuhlgang die Wunde zusätzlich belastet, kann bei Bedarf ein stuhlweichmachendes Mittel verordnet werden.
- Vermeidung von langem Sitzen und Stehen: Regelmäßige Positionswechsel sowie frische Luft unterstützen die Heilung.
- Beckenbodentraining nach Rücksprache: Sanftes, angeleitetes Training kann ab der Nachsorgeuntersuchung schrittweise wieder aufgenommen werden.
Wann sollte ärztlicher Rat eingeholt werden?
In den meisten Fällen heilen Geburtsverletzungen gut und problemlos ab. Bei folgenden Anzeichen sollte dennoch zeitnah ärztlicher Rat eingeholt werden:
- Zunehmende statt abklingende Schmerzen
- Auffälliger Geruch, Eiter oder Fieber als Zeichen einer möglichen Infektion
- Anhaltende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr über die übliche Heilungszeit hinaus
- Unwillkürlicher Stuhl- oder Windabgang, besonders nach Rissen dritten oder vierten Grades
Wie lange dauert die Heilung insgesamt?
Oberflächliche Wunden sind meist bereits nach ein bis zwei Wochen äußerlich verschlossen. Die vollständige Ausheilung des tieferen Gewebes kann jedoch mehrere Wochen in Anspruch nehmen. In der Regel überprüft die Frauenärztin oder der Frauenarzt den Heilungsverlauf im Rahmen der Nachuntersuchung rund sechs Wochen nach der Geburt noch einmal abschließend.
Häufig gestellte Fragen
Tut das Nähen der Wunde weh? Da die Naht unter lokaler Betäubung erfolgt, ist der Vorgang selbst in der Regel schmerzarm. Spürbare Schmerzen treten meist erst in den folgenden Tagen auf, wenn der eigentliche Heilungsprozess beginnt.
Kann ich einen Dammschnitt im Vorfeld ablehnen? Grundsätzlich ist ein Dammschnitt keine Routinemaßnahme mehr und wird nur bei medizinischer Notwendigkeit durchgeführt. Wünsche dazu können vorab im Geburtsplan festgehalten und mit der Hebamme besprochen werden, die endgültige Entscheidung hängt jedoch vom konkreten Geburtsverlauf ab.
Bleiben nach einem schweren Dammriss dauerhafte Beschwerden zurück? Bei sorgfältiger Versorgung und Nachsorge heilen auch schwerere Risse in den meisten Fällen gut aus. Bei anhaltenden Beschwerden wie Schmerzen oder Inkontinenz gibt es spezialisierte Anlaufstellen, die auch Monate oder Jahre später noch gezielt unterstützen können.
Fazit
Geburtsverletzungen sind bei einer vaginalen Geburt keine Seltenheit, heilen aber in den allermeisten Fällen gut und ohne bleibende Folgen. Wer die Risikofaktoren kennt, auf eine sorgfältige Wundpflege achtet und bei Unsicherheiten die Nachsorgehebamme oder den Frauenarzt einbezieht, kann die Heilungsphase gut und beschwerdearm durchlaufen. Geduld mit dem eigenen Körper gehört dabei genauso dazu wie die richtige Pflege.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.
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