„Sind das schon die Wehen?“ – diese Frage stellen sich vor allem Erstgebärende immer wieder, oft schon Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Kein Wunder, denn der Körper „übt“ bereits lange vor der eigentlichen Geburt. Dieser Artikel erklärt, welche Wehenarten es gibt, wie sie sich unterscheiden lassen und wann tatsächlich der Weg in die Klinik ansteht.
Was passiert bei einer Wehe?
Zieht sich die Gebärmutter – ein großer Muskel – zusammen, spricht man von einer Wehe oder Kontraktion. Schon ab der zweiten Schwangerschaftshälfte, häufig ab der 25. bis 26. SSW, beginnt die Gebärmutter mit diesem „Training“ für die spätere Geburt. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft verändern sich Häufigkeit, Dauer und Funktion der Wehen deutlich.
Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen)
Die ersten Wehen treten oft schon ab der 25. SSW auf, zunächst unregelmäßig und unkoordiniert. Ab etwa der 32. SSW laufen sie geordneter ab. Übungswehen dienen dem Training der Gebärmuttermuskulatur, öffnen den Muttermund aber noch nicht.
Merkmale: Meist unter 30 Sekunden Dauer, treten unregelmäßig auf, maximal etwa dreimal pro Stunde, meist nicht schmerzhaft, eher ein Ziehen oder ein kurzes Verhärten des Bauches.
Was hilft: Ein warmes Bad oder eine warme Dusche wirken entspannend und lindern Übungswehen spürbar.
Frühwehen
Frühwehen treten definitionsgemäß vor der 36. SSW auf und ähneln in ihrem Charakter Menstruationsschmerzen. Anders als Übungswehen können Frühwehen bereits den Gebärmutterhals verkürzen und das Baby tiefer ins Becken schieben – sie sollten daher ärztlich beobachtet und abgeklärt werden. Häufig ist bei Frühwehen verordnete Ruhe und eine reduzierte körperliche Belastung angezeigt.
Senkwehen
Ab etwa der 36. SSW gehen die Übungswehen allmählich in Senkwehen über. Dabei senkt sich der kindliche Kopf tiefer ins Becken, um sich in die Startposition für die Geburt zu begeben. Senkwehen können deutlich intensiver empfunden werden als reine Übungswehen und werden deshalb häufig mit echten Geburtswehen verwechselt.
Merkmale: Druck nach unten, Ziehen im Unterleib, teils Schmerzen im Bereich des Schambeins, von manchen Frauen mit starken Menstruationsschmerzen verglichen. Der Bauch senkt sich sichtbar, das Atmen fällt oft wieder leichter.
Wichtig zu wissen: Senkwehen sind ein Vorbote der Geburt, bedeuten aber nicht, dass diese unmittelbar bevorsteht. Zwischen den ersten Senkwehen und den echten Geburtswehen können noch Tage oder sogar Wochen vergehen.
Eröffnungswehen (echte Geburtswehen)
Eröffnungswehen leiten die eigentliche Geburt ein: Sie treten in regelmäßigen, zunehmend kürzeren Abständen auf, kommen in Wellen – beginnen leicht, erreichen einen Höhepunkt und ebben dann wieder ab – und öffnen dabei aktiv den Muttermund. Die Eröffnungsphase dauert bei Erstgebärenden im Schnitt zwischen 8 und 14 Stunden, bei Frauen mit vorherigen Geburten meist zwischen 6 und 8 Stunden.
Merkmale: Regelmäßige Abstände, die sich stetig verkürzen, zunehmende Intensität, ein starkes Ziehen im gesamten Unterleib – besonders im Bereich der Scheide –, das mitunter in Rücken oder Oberschenkel ausstrahlen kann.
Die einfachste Faustregel: Der Wärme-Test
Sowohl Hebammen als auch Frauenärzte nennen unabhängig voneinander dieselbe einfache Methode, um Übungs- beziehungsweise Senkwehen von echten Geburtswehen zu unterscheiden: Wärme lindert Übungswehen, echte Geburtswehen verstärken sich dagegen. Ein warmes Bad oder eine warme Dusche schaffen daher oft schnell Klarheit. Wichtig: Nicht baden, wenn niemand sonst in der Wohnung ist – die Wärme erweitert die Blutgefäße, was in seltenen Fällen zu Kreislaufproblemen führen kann.
Presswehen (Austreibungswehen)
Nach vollständiger Öffnung des Muttermunds beginnen die Presswehen, die einen starken Druck nach unten erzeugen und aktiv beim Herausschieben des Babys helfen. Diese Phase ist meist kürzer als die Eröffnungsphase, dafür körperlich besonders intensiv.
Nachgeburts- und Nachwehen
Nach der Geburt des Kindes helfen Nachgeburtswehen dabei, die Plazenta zu lösen. In den Tagen danach folgen die sogenannten Nachwehen, die die Rückbildung der Gebärmutter unterstützen – meist mit leichteren, menstruationsähnlichen Schmerzen verbunden, die insbesondere beim Stillen verstärkt spürbar sein können.
Übersichtstabelle: Wehenarten im Vergleich
| Wehenart | Typischer Zeitpunkt | Funktion | Reaktion auf Wärme |
|---|---|---|---|
| Übungswehen | ab ca. SSW 25 | Training der Gebärmutter | Lässt nach |
| Frühwehen | vor SSW 36 | Kann Muttermund vorzeitig beeinflussen | Ärztlich abklären |
| Senkwehen | ab ca. SSW 36 | Baby senkt sich ins Becken | Lässt nach |
| Eröffnungswehen | Geburtsbeginn | Öffnet den Muttermund | Verstärkt sich |
| Presswehen | Austreibungsphase | Unterstützt die Geburt des Babys | – |
| Nachwehen | Nach der Geburt | Rückbildung der Gebärmutter | – |
Wann sollte ich die Klinik oder Hebamme kontaktieren?
Bei folgenden Anzeichen empfiehlt sich zeitnaher Kontakt zur Klinik, Hebamme oder Frauenärztin:
- Mehr als 10 spürbare Wehen pro Tag vor dem errechneten Termin
- Regelmäßige, sich verstärkende Wehen im Abstand von wenigen Minuten
- Starke Schmerzen, die sich mit Wärme nicht lindern lassen
- Blutungen oder Flüssigkeitsabgang
- Kreislaufprobleme oder starkes Unwohlsein
Grundsätzlich gilt: Im Zweifel lieber einmal zu viel als zu wenig nachfragen – Hebammen und Kliniken sind auf genau solche Anrufe eingestellt.
Häufig gestellte Fragen
Woran erkenne ich, dass es wirklich losgeht? Viele Hebammen und Ärzte sagen dazu unisono: „Wenn es losgeht, wirst du es merken.“ Echte Geburtswehen steigern sich schrittweise in Intensität und Häufigkeit und lassen sich – anders als Übungswehen – durch Wärme nicht lindern.
Ist es normal, wenn ich Senkwehen kaum spüre? Ja. Manche Frauen nehmen Senkwehen nur wenige Male am Tag oder sogar nur einmal pro Woche wahr, andere spüren sie deutlich häufiger. Beides ist normal und kein Grund zur Sorge.
Können Übungswehen durch Stress verstärkt werden? Ja, sowohl körperliche Anstrengung als auch Stress können die Intensität von Übungswehen vorübergehend erhöhen. Ruhe und Entspannung wirken in der Regel schnell lindernd.
Muss ich bei Frühwehen sofort ins Krankenhaus? Nicht zwingend sofort, aber Frühwehen vor der 36. SSW sollten immer zeitnah ärztlich abgeklärt werden, da sie den Gebärmutterhals bereits verändern können. Im Zweifel gibt ein kurzer Anruf bei der Hebamme oder der Klinik schnell Klarheit über das weitere Vorgehen.
Fazit
Von den ersten Übungswehen bis zu den echten Eröffnungswehen durchläuft der Körper einen langen Vorbereitungsprozess auf die Geburt. Der einfache Wärme-Test – lässt die Wehe nach oder verstärkt sie sich – bietet dabei eine zuverlässige erste Orientierung. Bei Unsicherheit gilt immer: lieber einmal zu früh bei der Hebamme oder in der Klinik anrufen als zu spät.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.
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