Der Ablauf einer Geburt: Die drei Phasen einfach erklärt

Der Ablauf einer Geburt Die drei Phasen einfach erklärt

Auch wenn jede Geburt individuell verläuft, folgt eine natürliche Geburt grundsätzlich einem immer gleichen Muster: der Eröffnungsphase, der Austreibungsphase und der Nachgeburtsphase. Wer weiß, was in den einzelnen Phasen passiert, kann der Geburt deutlich entspannter entgegensehen. Dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, was dich erwartet.

Erste Anzeichen vor dem eigentlichen Geburtsbeginn

Bereits einige Tage bis Stunden vor den ersten echten Geburtswehen bemerken viele Frauen erste Vorboten: einen schwallartigen oder tröpfchenweisen Fruchtwasserabgang, innere Unruhe, verstärkte Rückenschmerzen oder leichte Magen-Darm-Beschwerden. Der eigentliche Geburtsbeginn ist erreicht, sobald die Wehen regelmäßig im Abstand von etwa fünf bis fünfzehn Minuten auftreten. Ausgelöst wird dieser Prozess unter anderem durch das Hormon Oxytocin, das der Körper gegen Ende der Schwangerschaft vermehrt produziert.

Phase 1: Die Eröffnungsphase

Die Eröffnungsphase ist die längste der drei Geburtsphasen. Ihr Ziel: den Muttermund von anfänglich geschlossen auf vollständige zehn Zentimeter zu öffnen, damit das Baby anschließend geboren werden kann.

Ablauf: Zu Beginn treten die Wehen noch relativ selten auf – etwa alle drei bis sechs Minuten – und dauern jeweils 30 bis 90 Sekunden. Das kindliche Köpfchen liegt zunächst quer und weitet durch den Druck der Wehen den Muttermund von innen, wobei sich der Gebärmutterhals zunehmend verkürzt („verstreicht“). Fachlich wird die Eröffnungsphase noch einmal unterteilt:

  • Latente (frühe) Eröffnungsphase: Von den ersten muttermundwirksamen Wehen bis zu einer Muttermundsöffnung von etwa 4–6 Zentimetern.
  • Aktive (späte) Eröffnungsphase: Von 4–6 Zentimetern bis zur vollständigen Öffnung.
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Dauer: Bei Erstgebärenden im Schnitt zwischen 8 und 14 Stunden, bei Frauen mit vorherigen Geburten meist zwischen 6 und 8 Stunden – die individuelle Bandbreite ist jedoch groß.

Tipp für diese Phase: Zwischen den Wehen bewusst entspannen, die Position häufig wechseln und auf eine ruhige, tiefe Atmung achten. Viele Frauen empfinden ein warmes Bad, sanfte Massagen oder Bewegung auf einem Gymnastikball als angenehm.

Phase 2: Die Austreibungsphase (Austrittsphase)

Sobald der Muttermund vollständig geöffnet ist, beginnt die Austreibungsphase – die „eigentliche“ Geburt im engeren Sinne. Häufig kommt es in dieser Phase zum Blasensprung, sofern die Fruchtblase nicht bereits vorher gerissen ist. Durch die verstärkte Ausschüttung von Oxytocin nehmen die Kontraktionen nun spürbar an Intensität zu.

Auch diese Phase lässt sich unterteilen:

  • Frühe Austreibungsphase: Der Muttermund ist vollständig geöffnet, die Presswehen haben aber noch nicht eingesetzt. Diese Teilphase kann von wenigen Minuten bis zu einer Stunde dauern, bei Erstgebärenden mitunter auch länger.
  • Pressphase: Lange, intensive Presswehen schieben das kindliche Köpfchen durch die Scheide, wobei es sich in die senkrechte Position dreht. Der Kopf tritt schließlich nach außen, mit den letzten ein bis zwei Kontraktionen folgen die Schultern.

Dauer: Insgesamt etwa ein bis zwei Stunden, bei Frauen mit vorherigen Geburten meist kürzer.

Was hilft: Auch wenn die Schmerzen in dieser Phase oft am stärksten empfunden werden, berichten viele Frauen von neuer Kraft, da spürbar etwas vorangeht. Eine aufrechte oder hockende Position kann die Geburt zusätzlich unterstützen.

Phase 3: Die Nachgeburtsphase

Mit der Geburt des Kindes ist die Geburt selbst noch nicht ganz abgeschlossen: In der Nachgeburtsphase sorgen weitere, meist deutlich schwächere Wehen dafür, dass sich die Plazenta (der Mutterkuchen) von der Gebärmutterwand löst und geboren wird. Diese Phase dauert in der Regel nur wenige Minuten bis maximal eine halbe Stunde. Anschließend wird die Plazenta von der Hebamme oder dem Arzt auf Vollständigkeit überprüft, da Rückstände in der Gebärmutter zu Komplikationen führen könnten.

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Übersichtstabelle: Die drei Geburtsphasen im Vergleich

Phase Was passiert Typische Dauer
Eröffnungsphase Muttermund öffnet sich auf ca. 10 cm 6–14 Stunden
Austreibungsphase Baby wird durch den Geburtskanal geboren 1–2 Stunden
Nachgeburtsphase Plazenta löst sich und wird geboren wenige Minuten bis 30 Min.

Insgesamt dauert eine natürliche Geburt im Schnitt zwischen 4 und 18 Stunden – wobei die individuelle Bandbreite erheblich ist.

Schmerzlinderung während der Geburt

Für die Schmerzlinderung stehen heute mehrere Optionen zur Verfügung: intravenöse Schmerzmittel, Lachgas über eine Atemmaske sowie die Periduralanästhesie (PDA). Lachgas und intravenöse Schmerzmittel können das Bewusstsein der Mutter kurzzeitig beeinträchtigen und gehen teilweise auch auf das Kind über, weshalb ihr Einsatz zeitlich gut abgestimmt werden muss. Welche Methode infrage kommt, wird individuell mit dem Geburtsteam besprochen.

Besondere Geburtsverläufe

Nicht jede Geburt folgt exakt diesem klassischen Schema. Einige Sonderformen kommen vor:

  • Sturzgeburt: Eine sehr schnelle Geburt, die insgesamt innerhalb von etwa zwei bis drei Stunden abgeschlossen ist.
  • Protrahierte (lange) Geburt: Wenn die Eröffnungsphase deutlich über 18 Stunden hinaus andauert.
  • Geburtseinleitung: Bei bestimmten mütterlichen oder kindlichen Indikationen kann eine künstliche Einleitung der Geburt notwendig werden.

Wann sollte ich in die Klinik fahren?

Als grobe Orientierung gilt: Bei Erstgebärenden, sobald die Wehen regelmäßig im Abstand von etwa fünf Minuten auftreten und jeweils rund 60 Sekunden andauern. Bei Frauen mit vorherigen Geburten bereits bei einem Abstand von sieben bis zehn Minuten, da die Geburt hier oft schneller voranschreitet. Unabhängig davon sollte bei einem Blasensprung – insbesondere bei grünlich verfärbtem oder blutigem Fruchtwasser – sowie bei starken Schmerzen oder Unsicherheit immer zeitnah die Klinik kontaktiert werden.

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Häufig gestellte Fragen

Ist es normal, während der Geburt an sich selbst zu zweifeln? Ja, insbesondere gegen Ende der Eröffnungsphase berichten viele Frauen von Erschöpfung und Selbstzweifeln. Ein Positions- oder Ortswechsel sowie Entspannungstechniken helfen häufig, wieder neue Kraft zu finden.

Warum unterscheidet sich die Geburtsdauer so stark von Frau zu Frau? Die Dauer hängt von zahlreichen individuellen Faktoren ab, etwa der Anzahl vorheriger Geburten, der Beckenform, der Lage des Kindes sowie der individuellen Wehentätigkeit. Große Unterschiede sind daher völlig normal.

Muss ich während der Geburt durchgehend liegen? Nein, im Gegenteil: Ein regelmäßiger Positionswechsel – etwa im Stehen, auf dem Gymnastikball oder im Vierfüßlerstand – kann den Geburtsverlauf sogar begünstigen und wird von den meisten Hebammen ausdrücklich unterstützt.

Fazit

Auch wenn jede Geburt ihren eigenen Verlauf nimmt, folgt sie grundsätzlich den drei beschriebenen Phasen – von der Öffnung des Muttermunds über die eigentliche Geburt des Kindes bis zur Geburt der Plazenta. Wer diesen Ablauf kennt, kann die einzelnen Phasen besser einordnen und sich mit mehr Vertrauen auf die Geburt einlassen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.

Anna Schneider