Impfungen gehören zu den wirksamsten Maßnahmen, um Babys vor schweren Infektionskrankheiten zu schützen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut veröffentlicht jährlich einen aktualisierten Impfkalender, der genau festlegt, welche Impfungen wann empfohlen werden. Dieser Artikel gibt einen verständlichen Überblick über die wichtigsten Impfungen im ersten Lebensjahr.
Warum Impfungen im Säuglingsalter so wichtig sind
Bevor Impfstoffe verfügbar waren, starben in Deutschland jährlich mehrere tausend Menschen an heute impfpräventablen Kinderkrankheiten wie Diphtherie, Keuchhusten oder Kinderlähmung. Impfungen schützen dabei nicht nur das geimpfte Kind selbst, sondern tragen durch den sogenannten Herdenschutz auch dazu bei, besonders gefährdete Menschen zu schützen, die selbst nicht geimpft werden können – etwa Neugeborene vor der ersten eigenen Impfung. In Deutschland sind die meisten Impfungen freiwillig; seit März 2020 besteht lediglich für die Masernimpfung eine gesetzliche Nachweispflicht, unter anderem für den Besuch von Kita und Schule.
Der STIKO-Impfkalender fürs erste Lebensjahr im Überblick
| Alter | Impfung(en) | Hinweis |
|---|---|---|
| Ab Geburt (kurz vor/in der RSV-Saison) | RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) | Passive Immunisierung mit Antikörpern, keine klassische Impfung |
| Ab 6 Wochen | Rotaviren | Schluckimpfung, 2–3 Dosen im Abstand von mind. 4 Wochen |
| 2 Monate | 6-fach-Impfung (Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hib, Kinderlähmung, Hepatitis B), Pneumokokken, Meningokokken B | 1. Dosis |
| 4 Monate | 6-fach-Impfung, Pneumokokken, Meningokokken B | 2. Dosis |
| 11 Monate (bzw. ab 9 Monate bei frühem Kita-Start) | 6-fach-Impfung, Pneumokokken, Meningokokken B, Masern-Mumps-Röteln (MMR), Varizellen | 3. Dosis der Grundimmunisierung, erste MMR/V-Impfung |
| ca. 15 Monate | MMR, Varizellen | 2. Dosis |
Die wichtigsten Impfungen im Detail
RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus): Seit 2024 empfiehlt die STIKO für alle Neugeborenen eine passive Immunisierung mit RSV-Antikörpern, idealerweise kurz vor oder während der ersten RSV-Saison (meist Oktober bis März). RSV kann bei Säuglingen schwere Atemwegsinfektionen auslösen und zählt zu den häufigsten Gründen für eine Krankenhauseinweisung im ersten Lebensjahr.
Rotaviren: Rotaviren sind eine der häufigsten Ursachen für schwere Durchfallerkrankungen bei Säuglingen. Die Impfung erfolgt als Schluckimpfung und sollte möglichst früh, ab der 6. Lebenswoche, begonnen werden.
6-fach-Impfung: Schützt gleichzeitig gegen sechs verschiedene Erkrankungen – Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Hib (Haemophilus influenzae Typ b, u. a. Auslöser von Hirnhautentzündung), Kinderlähmung (Poliomyelitis) und Hepatitis B. Durch die Kombination in einem Impfstoff wird die Anzahl notwendiger Injektionen deutlich reduziert.
Pneumokokken: Schützt vor Pneumokokken-Infektionen, die unter anderem Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen (Sepsis) auslösen können.
Meningokokken B: Schützt vor einer bestimmten Gruppe von Meningokokken-Bakterien, die schwere Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen verursachen können.
Masern-Mumps-Röteln (MMR): Die erste Dosis wird in der Regel im Alter von 11 Monaten verabreicht, bei früherem Kita-Start bereits ab 9 Monaten möglich. Die zweite Dosis folgt im Alter von etwa 15 Monaten, um einen vollständigen und langanhaltenden Schutz aufzubauen.
Varizellen (Windpocken): Kann am selben Termin wie die MMR-Impfung verabreicht werden und schützt vor einem in seltenen Fällen schweren Krankheitsverlauf der Windpocken.
Das „2+1-Impfschema“
Bei der 6-fach-Impfung sowie bei Pneumokokken- und Meningokokken-B-Impfungen wird heute meist ein reduziertes Impfschema mit nur drei statt vier Dosen angewendet – das sogenannte 2+1-Schema. Für einen zuverlässigen Langzeitschutz ist dabei besonders wichtig, dass die erste Impfung im Alter von 8 Wochen beginnt und die weiteren Dosen zu den empfohlenen Zeitpunkten im Alter von 4 und 11 Monaten erfolgen. Bei Frühgeborenen empfiehlt die STIKO dagegen weiterhin eine zusätzliche Impfstoffdosis im Alter von 3 Monaten, sodass insgesamt vier Dosen verabreicht werden.
Was passiert bei den U-Untersuchungen im Zusammenhang mit Impfungen?
Die empfohlenen Impftermine orientieren sich eng an den U-Untersuchungen (Vorsorgeuntersuchungen für Babys und Kleinkinder). So finden viele Impfungen im zeitlichen Umfeld der U4, U5, U6 und U7 statt, da bei diesen Terminen ohnehin eine ausführliche körperliche Untersuchung stattfindet und der Kinderarzt oder die Kinderärztin die Impftauglichkeit direkt mit einschätzen kann.
Können Impftermine verschoben oder kombiniert werden?
Die im Impfkalender angegebenen Alterszeitpunkte sind Empfehlungen, keine starren Vorgaben. Abweichungen sind möglich und in bestimmten Situationen – etwa bei einer akuten Erkrankung des Kindes – auch notwendig. Wichtig ist, dass die für den Aufbau eines vollständigen Impfschutzes notwendigen Mindestabstände zwischen den einzelnen Impfdosen eingehalten werden. Um die Anzahl der Injektionen möglichst gering zu halten, empfiehlt die STIKO grundsätzlich den Einsatz von Kombinationsimpfstoffen wie der 6-fach-Impfung.
Wo finde ich den vollständigen, aktuellen Impfkalender?
Da die STIKO ihre Empfehlungen jährlich überprüft und bei Bedarf anpasst, lohnt sich für den vollständigen und aktuellsten Stand immer ein Blick auf die offizielle Seite des Robert Koch-Instituts (rki.de) oder ein Gespräch mit dem behandelnden Kinderarzt beziehungsweise der Kinderärztin.
Impfausweis nicht vergessen
Jede Impfung wird im gelben Impfausweis dokumentiert, der ab der ersten Impfung durchgehend aufbewahrt und zu jedem weiteren Impftermin mitgebracht werden sollte. Er dient als lebenslanger Nachweis des Impfstatus und wird beispielsweise auch für die Kita-Anmeldung oder spätere Reisen benötigt. Geht der Impfausweis verloren, kann der behandelnde Kinderarzt anhand der Praxisunterlagen meist weiterhelfen.
Häufig gestellte Fragen
Sind alle Impfungen im Impfkalender verpflichtend? Nein, mit Ausnahme der Masernimpfung sind alle STIKO-Empfehlungen freiwillig. Sie werden jedoch von Kinderärzten und Kinderärztinnen ausdrücklich empfohlen, da sie einen zuverlässigen Schutz vor teils schweren Erkrankungen bieten.
Was, wenn ein Impftermin verpasst wurde? Verpasste Impfungen können in der Regel problemlos nachgeholt werden. Der Kinderarzt oder die Kinderärztin erstellt dafür einen individuell angepassten Nachhol-Impfplan.
Können mehrere Impfungen am selben Termin verabreicht werden? Ja, das ist ausdrücklich vorgesehen und in Kombinationsimpfstoffen wie der 6-fach-Impfung bereits umgesetzt. Auch MMR- und Varizellen-Impfung können am selben Termin gegeben werden.
Hat mein Baby nach der Impfung häufig Nebenwirkungen? Leichte Reaktionen wie Rötung und Schwellung an der Einstichstelle, leichtes Fieber oder Quengeligkeit für ein bis zwei Tage sind normal und Zeichen dafür, dass sich das Immunsystem mit dem Impfstoff auseinandersetzt. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. Bei anhaltend hohem Fieber oder ungewöhnlichen Symptomen sollte dennoch der Kinderarzt oder die Kinderärztin kontaktiert werden.
Fazit
Der STIKO-Impfkalender bietet werdenden und frischgebackenen Eltern eine verlässliche Orientierung, welche Impfungen wann empfohlen werden. Da sich die Empfehlungen im Detail von Jahr zu Jahr anpassen können, lohnt sich vor jedem Impftermin ein kurzer Blick auf den aktuellen Stand sowie ein offenes Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt über individuelle Fragen und Unsicherheiten. So lässt sich der Impfschutz des Babys von Anfang an gut und planvoll begleiten.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information, Stand Januar 2026, und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Die STIKO-Empfehlungen können sich ändern – aktuelle Angaben finden sich auf rki.de.
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